Einleitung Bioethik

Charles SUSANNE
Freie Universität zu Brüssel
Montag 12. Juli 2010
par  cilalp_france
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Naturwissenschaften wurden häufig von Menschen und auch von der sozialen Ordnung als „gefährliche“ Botschaften betrachtet. Die Erde ist nicht mehr das Zentrum des Universum, Europa ist nicht mehr das Zentrum der Welt, eine kosmische und religiöse Ordnung führt nicht mehr die Welt und die Gesellschaft, das paläontologische menschliche Evolutionsprinzip unterscheidet sich nicht von der tierischen Evolution, Die DNA nutzt den gleichen genetischen Abdruck in der Gesamtheit des Lebens und wir haben 99,5 % genetische Ähnlichkeit mit den Schimpansen. Die Wissenschaft deckt heute verschiedenste Realitäten ab, wie Erinnerung, Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Gefühle, …. und selbst der menschliche Gedanke ist durch zahlreiche Forschungen zerpflückt.

Das Leben ist biologisch.

Biologie ist das Zentrum von Gegensetzen, die biologische Evolution wird als Gefahr für den religiösen Glauben empfunden. Biologie ist für die einen lästig, die auf politischer Ebene nicht wünschen, dass die westliche biologische Forschung das (menschliche) Leben entmystifizieren und die anderen, die das Leben weiterhin als heilig betrachten.

Wer einmal die Geschichte der Biologie analysiert, ist erstaunt über die Kluft zwischen dem wissenschaftlichen Fortschritt in der Biologie und der philosophischen Debatte, die diesen Fortschritt begleitet, sowie über den Wissenstand in diesem Bereich. Die Debatten (Kontroversen?) : Evolutionismus – Kreationismus; Fortschritt – Zufall; Materialismus – Spiritualität; und selbst die Diskussion über die menschlichen Frage ist gerade eben mal im Hinblick auf modernes Wissen aktualisiert.

Das Leben ist biologisch, chemisch und heute mit der Nanotechnologie sogar physikalisch. Leben reduziert sich auf die vitalen Mechanismen einer Zelle, auf die Kontrolle der DNS-Genom, der Regulierung der Proteinsynthese.... Ein größeres Wissen dieser Mechanismen trägt zum besseren Verständnis der vitalen Funktionen bei.

Das menschliche Leben

Biologie hat also zu einer besseren Beschreibung des menschlichen Lebens geführt. Die Lebensfunktionen reduzieren sich auf die vitalen Mechanismen einer Zelle, auf die Kontrolle der DNS-Genom, der Regulierung der Proteinsynthese : Biologie ist chemisch und physikalisch geworden. Die bioethischen Diskussionen finden wissentlich oder unwissentlich ihre Grundlage in der Entmystifizierung des menschlichen Lebens.

Um das menschliche Leben oder das einer menschlichen Persönlichkeit zu definieren, beinhaltet sich nicht nur auf die biologischen Kriterien zu begrenzen, ausgenommen vielleicht , wenn das Menschsein einer Persönlichkeit durch metaphysische Gründe erbracht wird. Im Gegenteil, wir denken, dass wir beim Menschen das biologische Sein des menschlichen bewussten Leben und/oder die soziale Anerkennung dieses Leben unterscheiden müssen.

Anders gesagt: entweder ist die Definition des Leben metaphysisch oder die Zeugung eines biologischen Kontinuum.

Einige werden ein „Recht auf Leben“ anbieten, es handelt sich um ein absolutes und metaphysisches Recht, verbunden mit der Philosophie, dass das Leben eine Gabe Gottes sei. Die Zeugung, die Vereinigung von Eizelle und Samenzelle werden als Anfang des menschlichen Lebens betrachtet. Befruchtung ist eventuell sogar heilig. Solch ein Dogma hat natürlich „biologische Konsequenzen“ wie dass das befruchtete Ei bereits eine Person ist, dass die In-Vitro-Fertilisation verboten sein muss, Schwangerschaftsabbruch und Verhütung sind unmoralisch.

Der Biologe kann nur folgendes feststellen:
- 1. die chemische und physikalische Charakteristik des menschlichen Lebens unterscheiden sich nicht vom Leben im allgemeinen und vom tierischen Leben im besonderen.
- 2. Die Eizelle, auch die befruchtetet Eizelle haben keine besonderen vitalen Merkmale.
- 3. Die ersten Stadien der embryonalen Entwicklung unterscheiden sich nicht.
- 4. Die anatomische Entwicklung lässt sich leicht beschreiben und verfolgen, die Reifung ist wesentlich schwieriger zu definieren.

Tatsächlich bildet das Leben ein Kontinuum und es gibt keine wissenschaftliche Grundlage, die den Anfang des (menschlichen) Leben definiert. Die Definition des menschlichen Leben ist absolut willkürlich. Es ist also normal, wenn man nicht an die genannten philosophischen Dogmen gebunden ist, das menschliche Leben nicht nach biologischen Merkmalen zu definieren, sondern nach sozialen Merkmalen, also mit dem Willen Leben zu geben.

Aktuelle bioethische Probleme

In der bioethischen Diskussion bleibt das Problem der Definition von Leben und Tod wichtig, von Abtreibung bis Euthanasie, In-Vitro-Fertilisation, Leihmütter, genetisch veränderten Tieren, Schwangerschaftsvorsorge, Pränataldiagnostik und vielleicht morgen die Gentherapie.

Es scheint für den Menschen logisch, wenn er im Kampf gegen die Naturgewalten seine Reproduktionskapazitäten in einer nichttierrischen Art nutzt, eine geplante und wissentliche Reproduktion muss für vernünftige Menschen normal und natürlich sein. Dieses Prinzip nicht zu zulassen, bedeutet theologische Voraussetzungen zu berücksichtigen wie die Idee, dass der sexuelle Akt, der nicht der Fortpflanzung dient eine Verweigerung des göttlichen Willen ist. Zu zulassen, beinhaltet im Gegenteil: die Gesetzgebung muss den Menschen und seine individuelle oder kollektive Zukunft als Maß berücksichtigen, wenn es um die Entwicklung juristischer Normen geht, die für das menschlich Verhalten gelten oder wenn es um die Mittelverteilung für die wissenschaftliche Forschung geht.

Die Nutzung von Technologien um eine erwünschte Elternschaft zu verwirklichen, entspricht der menschlichen Zielsetzung, um die Welt solidarischer für moralisch verantwortungsbewusste Menschen zu gestalten, während auf der Grundlage theologischer oder ideologischer Argumente diese Technologien häufig als unmoralisch angesehen werden. Der Anstieg unserer biologischen und technologischen Kenntnisse erleichtern zweifellos unsere Möglichkeiten einer freien und verantwortungsbewussten Elternschaft, sowie das dafür nötige Bewusstsein. Die Gedankenfreiheit in diesem Bereich bedeutet über alles andere hinaus eine Freiheit der philosophischen Wahl, sie bedeutet auch, dass eine religiöse Gruppe weder mittelbar noch unmittelbar uns ihr Gesetz aufzudrücken kann. Sexualität erzeugt Vorurteile immer als Wahrheiten, obwohl das intime sexuelle Verhalten etwas sehr eigenes für jeden Einzelnen und moralisch veränderlich ist, genauso wie Zeit und Raum.

Wir schließen auf eine nicht spezifische Art. Die Vielzahl der moralischen Stellungnahmen beinhaltet Respekt und Toleranz dieser Meinungsvielfalt, sie bringt uns zu den Gleichheits-, Freiheits- und Solidaritätsprinzipien.

Es muss aber auch der politische Willen da sein, Manipulierung und Verdeckung von Problemen zu verhindern. Dieser Willen ist nicht immer da, weil die Diskussion über den embryonalen Status unweigerlich mit dem Tod und all seinen philosophischen Aspekte verbunden ist. Dies ist im besonderen der Fall bei Diskussionen über Abtreibung, der In-Vitro-Fertilisation, der überzähligen Embryos, der Präimplantationsdiagnostik, Ethikrat und morgen die Gentherapie sowie Euthanasie.

Eine geplante und bewusste Reproduktion oder die Nutzung „künstlicher“ Mittel der Reproduktion werden manchmal im Namen religiöser oder theologischer Argumente verworfen, obwohl sie als natürlich für vernünftige Menschen erscheinen. Die gleiche Argumentation verurteilt als unmoralisch die Techniken, die es erlauben ein Wunschkind zu planen. Wir meinen im Gegensatz zu diesen theologischen Stellungnahmen gibt es ein sehr breites weltliches Einvernehmen, moralisch und verantwortungsbewusst für die programmierte Reproduktion. Der gegenwärtige biologische Fortschritt und die Techniken, die sich noch entwickeln werden, unterstreichen das Streben nach einer wissentlichen und gewünschten Fortpflanzung.

Der wissenschaftliche, gesellschaftliche und moralische Fortschritt sind miteinander verbunden, selbst wenn keine direkte Verbindung hergestellt werden kann, die Menschheit hat bereits festgestellt, dass es beim Fortschritt eine echte Solidarität gibt. Man entzieht der Freiheit sehr vielmehr durch Obskurantismus als durch ein Übermaß an wissenschaftliches Wissen.

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