Von Rom nach Berlin: Es ist immer das Europa des Vatikans

Freitag 13. April 2007
par  cilalp_france
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Nach der klaren Ablehnung des „Vertrags über eine europäische Verfassung“ erleben wir gegenwärtig einen erneuten Versuch, den Völkern Europas diese monströse „Verfassung“ aufzuzwingen. Zu diesem Zweck hat Angela Merkel am 25. März 2007 eine Erklärung der 27 Mitgliedstaaten der Europäischen Union präsentiert, um den „Verfassungsprozeß“ wieder in Gang zu setzen und bis 2009 zum Ende zu bringen.

Am selben Tag verkündete Benedikt XVI. in Rom: „Gebt nicht auf, verliert nicht den Mut! Vergegenwärtigt euch, daß es eure Aufgabe ist, mit der Hilfe Gottes ein neues Europa aufzubauen.“ In einer Pressemitteilung (ZENIT) hieß es: „Europa muß sich seiner christlichen Wurzeln und der öffentlichen Rolle der Religion bewußt werden: Dies ist die Botschaft des von der Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Gemeinschaft (COMECE) veranstalteten Kongresses, zu dem vom 23. bis 25. März in Rom mehr als 400 Teilnehmer zusammenkamen.“

Ein berühmter Mann hat einmal gesagt, wenn sich die Geschichte wiederholt, so das erste Mal als Tragödie, das zweite Mal immer als Komödie. Es ist offensichtlich, daß man ein weiteres Mal die Inszenierung aufzuführen gedenkt, die bereits aus dem Jahr 2005 bekannt ist. Der Vatikan und andere Kräfte werden in einer lautstarken Kampagne eine Nennung Gottes und des Christentums in der Präambel des EU-Verfassungsentwurfs fordern und so die öffentliche Aufmerksamkeit auf diesen Punkt lenken.

Aber ebenso wie 2005 ergibt sich der zutiefst klerikale Gehalt des EU-Verfassungsvertrags nicht aus der Präambel, sondern aus dem Verfassungstext selbst. So ist daran zu erinnern, daß Artikel 70 des Entwurfs das Recht vorsah, die eigene Religion und religiösen Riten im öffentlichen Raum zu praktizieren. Artikel 52 räumte den Kirchen immense Privilegien ein.

Daß in der Berliner Erklärung Gott und Christentum nicht erwähnt werden, bedeutet also mitnichten, daß die geplante künftige Verfassung laizistisch sein wird. Bereits 2005 ließ der Wiener Kardinal Christoph Schönborn, einer der Hauptvertreter des COMECE, die damals verfolgte Taktik in den Worten durchschimmern: „Die Präambel der europäischen Verfassung ist nicht die wesentliche Frage. Was ist die Präambel? Es ist ein Vorwort. Das Wesentliche einer Verfassung ist, was in ihr steht, und ich freue mich daher sehr, sagen zu können, daß die Grundentscheidungen dieser Verfassung aus christlicher Sicht gut und akzeptabel sind.“

Man wird also den Völkern Europas ein weiteres Mal die Farce um die Präambel vorspielen, um auf diese Weise leichter durchsetzen zu können, daß es bei der im Verfassungstext selbst verankerten Vorherrschaft der Religion unverändert bleiben wird.

Ein ergänzendes taktisches Manöver zeichnet sich im übrigen im Europarat ab. Der Präsident seiner Parlamentarischen Versammlung, René Van der Linden, erklärte am 7. September 2006 in Nischnij Nowgorod: „Das rechtliche und politische Handeln des Europarates muß durch die Zusammenarbeit mit den Kirchen und den übrigen Bekenntnisgemeinschaften gestärkt werden. (...) Es keinen Grund, dagegen Einwände zu erheben, daß die Kirchen unter Wahrung ihres besonderen Charakters im Europarat einen offiziellen Status besitzen. Dabei können wir uns vom Vertrag der Europäischen Union über eine Verfassung für Europa leiten lassen, der die Rolle der Kirchen und religiösen Vereinigungen im europäischen Integrationsprozeß hevorhebt. Er bekennt sich damit zu dem Erfordernis, den Kirchen, um ihren wesentlichen Beitrag anzuerkennen, einen offiziellen Status einzuräumen (...).“

Wie immer hat der Vatikan zwei Eisen im Feuer. Sei es über die Europäische Union, sei es über den Europarat – das Europa des Vatikans ist weiter auf dem Vormarsch. Die Vereinigung der französischen Freidenker (Fédération française de la Libre Pensée) ruft alle Freidenker, Laizisten und Humanisten dazu auf, sich nicht irreführen und vom Wesentlichen ablenken zu lassen! Bleiben wir in allen Ländern Europas wachsam und bereiten wir uns darauf vor, gegen das Europa des Vatikans zu mobilisieren!

Für uneingeschränkte Glaubens- und Gewissensfreiheit! Für die Trennung von Staat und Kirche!

Für den Laizismus in Europa!

Laßt uns gemeinsam handeln!

Paris, den 8. April 2007

cilalp france


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